„20 Jahre Bürgermeister sind genug“

 

Bürgermeister Gerhard Baar will zum Ende des Jahres 2018 den Chefsessel im Rosenberger Rathaus räumen.

Rosenberg. In seiner überraschenden Erklärung verwies Baar auf persönliche Gründe. Die Amtszeit sei sehr intensiv gewesen. Vieles sei fremdbestimmt gewesen, oft habe Privates zurückstehen müssen. Das wolle er nun ändern, unterstrich Baar, und warb um Verständnis für seine Entscheidung, das Amt zum Ende des Jahres 2018 abzugeben.

Der 59-jährige Diplomverwaltungswirt ist seit Januar 1999 Bürgermeister von Rosenberg. Bei der Bürgermeisterwahl am 5. Oktober 2014 wurde er mit 95 Prozent der abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Seine laufende, dritte Amtszeit geht damit in diesem Jahr in die Halbzeit. Vor seiner Zeit als Bürgermeister war Baar 15 Jahre Haupt- und Bauamtsleiter in Höpfingen. 40 Jahre im Dienst sind „voll“, wenn auch der Versorgungsanspruch noch nicht komplett ist.

Die FN fragten Bürgermeister Gerhard Baar nach den Gründen für seine Entscheidung, das Amt niederzulegen.

Herr Baar, die wichtigste Frage zuerst: Warum wollen Sie aufhören?

Gerhard Baar: Ich habe in den letzten Jahren festgestellt, dass ich dünnhäutiger geworden bin. Die Dinge beschäftigen mich mehr als zuvor. Und ich musste bei mir selbst feststellen, dass ich Leute beneide, die geregelte Dienstzeiten haben. Und wenn man nicht mehr bereit ist, Abend- und Wochenendtermine gerne zu machen – was originär zum Job des Bürgermeisters gehört –, dann muss man überlegen, ob man das noch weiter machen will. Dazu kommt, dass mein Vater sehr jung gestorben ist. Da macht man sich schon seine Gedanken.

Haben die kommunalpolitischen Auseinandersetzungen in Rosenberg – Stichwort Gemeindehaus oder Feuerwehr – zu Ihrer Entscheidung beitragen?

Baar: Diese Diskussionen haben mich beschäftigt, das stimmt. Aber dabei ging es immer um die Sache, damit hat meine jetzige Entscheidung nichts zu tun. Mehr zugesetzt hat mir die Angelegenheit mit den Windrädern.

Warum‘?

Baar: Da war man mit unsachlichen Dingen konfrontiert, das hat mir schon zu schaffen gemacht. Aber wie gesagt, vielleicht ist das auch der Tatsache geschuldet, dass ich dünnhäutiger wurde. Bei manchen Dingen verliert man die Lust. Und das Hamsterrad dreht sich immer schneller.

Mit wem haben Sie Ihre Entscheidung besprochen?

Baar: Ich habe natürlich zunächst mit meiner Familie gesprochen, die mich voll unterstützt. Der Landrat war der Erste, den ich informiert habe, der Gemeinderat weiß es seit Dienstagabend. Gleich am Mittwochmorgen habe ich meine Mitarbeiter zusammengerufen. Die sollten es ja aus erster Hand erfahren. Auch dem Amtsblatt liegt meine persönliche Erklärung bei.

Wie waren die Reaktionen?

Baar: Überrascht. Landrat Dr. Brötel hat meine Entscheidung bedauert, besonders, da wir bisher als Wahlbeamte quasi im Gleichschritt gingen. Im Gemeinderat wurde meine Erklärung hingenommen. Und ich glaube, auch akzeptiert. Meine Mitarbeiter im Rathaus waren ebenfalls überrascht.

Hat niemand versucht, Sie umzustimmen?

Baar: Nein. Ich denke aber, dass ich meine Entscheidung so vorgetragen habe, dass klar war, dass sie unverrückbar feststeht.

Gerade wurde ein Acht-Millionen-Haushalt für 2018 beschlossen. Die Ortsdurchfahrt wird gebaut, neue Baugebiete werden erschlossen, der Einkaufsmarkt könnte bald der Kommune gehören – alle diese Projekte haben Sie angeschoben. Tut es Ihnen nicht leid, jetzt mittendrin zu gehen?

Baar: Schon. Aber „mittendrin“ ist man doch irgendwie immer! Es gibt immer Projekte, die gerade laufen oder angeschoben werden. Es gibt keinen passenden Zeitpunkt, aufzuhören.

Wie geht es in Rosenberg jetzt weiter?

Baar: Ich werde dem Gemeinderat vorschlagen, die Termine für die nötige Bürgermeisterwahl auf den 7. und 28. Oktober zu legen. Nach der Gemeindeordnung muss der Termin zwischen dem 1. Oktober und dem 30. November liegen, wenn ich das Amt zum Ende des Jahres abgebe.

Was für einen Kandidaten wünschen Sie sich für Rosenberg?

Baar: Ich wünsche mir, dass er – oder sie – auf die Menschen zugehen und integrativ wirken kann. Und dass er die unkomplizierte und gute Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat fortsetzt. Das Verhältnis war wirklich hervorragend. Wichtig ist, dass der oder die „Neue“ die Gemeinde Rosenberg zukunftsfähig macht – mit Baugebieten, weiter guter Kinderbetreuung, Breitbandversorgung und mehr.

Was hat Sie rückblickend in Ihren 20 Jahren als Bürgermeister von Rosenberg besonders beeindruckt?

Baar: Meine ganze Amtszeit war begleitet von einem unglaublich hohen Maß an Unterstützung und Akzeptanz in der Bevölkerung. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich hatte tolle Mitarbeiter in der Verwaltung und im Bauhof. Tief beeindruckt bin ich auch vom Ehrenamt in der Gemeinde, in den Vereinen und Hilfsorganisationen.

Was war Ihnen das wichtigste Projekt in der Gemeinde?

Baar: Dazu möchte ich nichts sagen. Das sollen andere beurteilen.

Welche Pläne haben Sie für Ihre Zukunft?

Baar: Noch gar keine. Ich strebe erstmal an, meine Zeit selbstbestimmt zu gestalten. Ich will auch meine Ehrenämter zeitnah nach dem Ausscheiden aus dem Amt abgeben.

Zum Beispiel?

Baar: Zum Beispiel die Posten als Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Kirnau und Aufsichtsrat der Kirchenkäserei.

Und worauf freut sich der künftige Privatmann Baar besonders? Machen Sie eine Weltreise?

Baar: Ich? Nein! Ich bin Jäger und Jagdpächter, ich bin leidenschaftlicher Brennholzmacher. Ich freue mich auch, ein bisschen mehr Sport zu machen, Radfahren, Fußballspielen, . . . Und ich werde mir meine Zeit selbst einteilen, das ist mir das Allerwichtigste. Aber zunächst werde ich mich bis zum Ende meiner Amtszeit mit allen Kräften für die Gemeinde Rosenberg einsetzen.

aus Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 08.03.2018