„Mein Dorfladen Rosenberg e.G.“ ist in Gründung

„Nach außen hin hat sich am Dorfladen nichts getan, aber im Hintergrund sind Meilensteine gesetzt worden.“ Das betonte Bürgermeister Matousek bei einem Treffen zu dem Gemeinschaftsprojekt.

 

Rosenberg. Zur jüngsten Sitzung der Arbeitsgruppen kam wieder eine große Zahl von Interessierten im Rathaus zusammen, um den neuesten Stand der „Wiederbelebung“ des seit 2014 leerstehenden Rosenberger Einkaufsmarkts zu besprechen. „Ich habe inzwischen neun Leitz-Ordner zu dem Thema im Regal stehen“, schmunzelte Bürgermeister Ralph Matousek. „Das Projekt wächst.“

 

Wichtigstes Thema ist die Finanzierung, und damit der Antrag auf eine Förderung aus dem Programm „Leader“. Er sei sich des bürokratischen Aufwands bewusst gewesen, so Matousek. Doch „Leader“ verspreche eine Förderung von 40 Prozent der Kosten und bis zu 200 000 Euro. Das sei den Aufwand wert.

„Leader“-Jury tagt im September

Inzwischen habe man für alle 19 Gewerke – „mal schnell, mal weniger schnell“ – ein Angebot erhalten, so dass der Antrag mit allen umfangreichen Anlagen eingereicht werden konnte. Am 18. September wird das Vorhaben im „Leader“-Gremium vorgestellt und über die Förderwürdigkeit entschieden. Dabei rechnet sich Matousek gute Chancen aus. Und: „Wenn ’Leader’ nicht klappt“, so Matousek, käme alternativ auch eine Förderung über das Entwicklungsprogramm „Ländlicher Raum“ in Frage. Das sei weniger bürokratisch, aber es bringe eben nur 30 Prozent Förderung. Und dort fällt die Entscheidung erst spät, nämlich im Mai 2020.

An der Planung des eigentlichen Ladens habe sich nicht viel geändert. Man arbeite mit einem Entwurf von Architektin Susanne Kistner. Im September werde auch ein Gespräch mit dem Ladenbauer stattfinden, berichtete Matousek weiter.

312 Quadratmeter Fläche hat der bestehende Markt, davon sollen etwa 185 Quadratmeter Verkaufsfläche sein. 36 Quadratmeter sind für das kleine Café vorgesehen, auf das alle Beteiligten großen Wert legen. Auch im Außenbereich sind vier Tische geplant, so Matousek auf Nachfrage aus den Zuhörerreihen. Der Bauantrag soll ebenfalls im September eingereicht werden. Ein Vororttermin mit den Behörden im Landratsamt habe stattgefunden und keine negativen „Überraschungen“ gebracht.

Wenn dann im Herbst die Baugenehmigung vorliege, der „Leader“-Antrag entschieden sei und die Genehmigung vom Genossenschaftsverband vorliege, „können wir durchstarten“, so Matousek hoffnungsfroh. Wenn alles gut läuft, soll im Sommer 2020 die Eröffnung sein.

Info-Abend im Herbst

Dann werde man eine große Info-Veranstaltung durchführen und dann soll „Butter bei die Fische“ kommen. Das heißt, es können Genossenschaftsanteile gezeichnet werden. Den unverbindlichen Zusagen aus dem Frühjahr über Zeichnungen in Höhe von 80 000 Euro sollen dann Taten folgen.

Gleich nach der ersten Informationsveranstaltung mit über 150 Interessierten habe man drei Arbeitsgemeinschaften gegründet. Die erste, welche sich mit Genossenschaftsgründung und Satzung beschäftigte, habe man inzwischen schon auflösen können (siehe Infobox). Die weiteren beschäftigen sich mit dem Thema Bau und den Lieferanten.

Einen Jahresüberschuss von 8000 Euro soll der Laden im ersten Jahr erzielen, so Matousek nach einer ersten Kalkulation. „Schwarze“ Zahlen werden angestrebt, aber: „Wir stehen nicht da, um Gewinne zu erzielen, sondern um einen Mehrwert für den Ort zu erreichen.“

Der Laden soll 135 Stunden in der Woche geöffnet sein – montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr, samstags bis 13 Uhr. Sonntags wird ein vormittäglicher Brötchenverkauf an gestrebt. Für den Betrieb sind vier versicherungspflichtig Beschäftigte vorgesehen.

Dafür kalkuliert Matousek, der entsprechende Erfahrungen aus seiner Zeit als Dorfladenbetreiber in Jagsthausen mitbringt, mit Kosten von rund 100 000 Euro. Das entspreche etwa 15 Prozent des angepeilten Jahresumsatzes.

Gespräche mit Lieferanten, also mit Bäckern und Metzgern, aber auch mit örtlichen Produzenten habe er bereits geführt. Von zwei Bäckern liegen schon Angebote vor. Der Kirchenkäserei werde man ebenfalls gern einen Meter in der Theke einräumen. Die Reaktionen von Dekan Krauth und der Brennerei Alt-Enderle seien positiv gewesen. Weitere regionale Produzenten werden noch einbezogen.

Bei der Formulierung der Satzung legte man auch fest, dass ein Anteil an der Genossenschaft 200 Euro kostet, und dass jedes Mitglied maximal 50 Anteile zeichnen kann. Auf die Frage einer Zuhörerin, ob das jetzt schon möglich sei, schob Matousek lächelnd und postwendend das entsprechende Formular über den Tisch – es ist möglich.

Aus dem Publikum wurde die Erstellung eine Homepage angeregt, was Matousek bejahte. Doch das sei erst der dritte oder vierte Schritt.

SWR-Fernsehteam kommt

Abschließend informierte Matousek, dass Mitte September ein Team des SWR-Fernsehens für einige Tage in Rosenberg sei und auch einen Beitrag über das Ladenprojekt drehe. In dem Zeitraum könnte man mit vielen Helfern die alten Regale im Laden abbauen. Dabei könne man auch darstellen, wie wichtig der Laden für den Ort ist.

Dass das keinesfalls eine Floskel ist, unterstrich Josef Metzger aus seiner Erfahrung als früherer Betreiber des Geschäfts: „Das war eine Geisterstadt hier, als der Laden schon einmal zu war. Als wir ihn dann wieder aufgemacht haben, war ein regelrechter Run im Dorf. Man hat wieder Leute im Ort gesehen. Viele sind jeden Tag in den Laden gekommen und haben sich dort verweilt. Es ist unwahrscheinlich wichtig, dass es einen Ort gibt, wo man sich austauscht“, betonte Metzger. „Das ist Leben pur. Es wäre toll, wenn wir das erreichen.“

Eine Zuhörerin ergänzte, es sei auch zeitgemäß, regionale Produkte und am Ort einzukaufen. Das spare Sprit und man gebe sein Geld lieber dem örtlichen Betreiber, als dem großen Supermarkt. „Das ist eine Sache der Einstellung“, bestätigte Josef Metzger.

„Man muss sich auch vor Augen führen, wie wenig Geld jeder ausgeben muss, damit der Laden überleben kann“, ergänzte Silke Stumpf. Der Bürgermeister bestätigte: „Wenn jeder Rosenberger nur zehn Euro in der Woche dort zahlt, bedeutet das einen Umsatz von einer Million. Das langt uns!“

„Und wenn alles klappt, kann jeder einzelne von Ihnen sagen: Das ist mein Laden“, so Matousek unter dem Beifall der Mitstreiter.

© Fränkische Nachrichten, Freitag, 16.08.2019