Das ist die 100-Tage-Bilanz von Bürgermeister Matousek

Erstes Fazit: "Bin sehr gut aufgenommen worden" - Zusammenarbeit sehr konstruktiv

Von Helmut Frodl

Rosenberg. (F) Der Wunsch der Rosenberger Bürgerschaft bei der im Oktober 2018 stattgefundenen Bürgermeisterwahl war eindeutig. Mit einem Erdrutschsieg setzte sich damals Diplom-Verwaltungswirt Ralph Matousek, ehemals Kämmerer der Gemeinde Jagsthausen, gegen weitere fünf Kandidaten durch und wurde zum neuen Bürgermeister von Rosenberg und zum Nachfolger des langjährigen Amtsinhabers Gerhard Baar gewählt. Heute sind die ersten 100 Tage der Amtszeit des neuen Bürgermeisters von Rosenberg abgelaufen - traditionell Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen.

Herr Matousek, wie sind Sie in Rosenberg als neuer Bürgermeister aufgenommen worden?

Kurz gesagt: sehr freundlich und herzlich. Wenn man neu in einer Gemeinde ist, fehlen natürlich die Kontakte. Aber bei jedem Termin oder jeder Versammlung hat man sich sehr gefreut, dass ich da war, und dies bestärkt auch mich und schafft Vertrauen. Spannend war für mich die Fastnacht, da man nicht weiß, was auf einen zukommt. Dass man mir dann in Sindolsheim sogar ein Bühnenbild gewidmet hat, mit dem hatte ich nicht gerechnet.

Hatten Sie spezielle Erwartungen an Ihre Arbeit in Rosenberg, und wie haben sich diese Erwartungen bestätigt/ nicht bestätigt?

Aufgrund meiner langjährigen Berufserfahrung wusste ich, welche Arbeit auf mich zukommt. Mir macht es aber sehr viel Spaß, und ich hoffe ebenso, dass ich den Erwartungen der Bürger gerecht werde. Für mich war es wichtig, einen guten Übergang zwischen Gerhard Baar und mir zu schaffen, um die anstehenden Projekte auch reibungslos weiterzuführen. Deshalb war ich schon vor meinem Amtsbeginn sehr oft in Rosenberg.

Gab es schon die eine oder andere Überraschung im neuen Job?

Mir war schon bewusst, dass die finanzielle Situation von Rosenberg nicht gut ist, aber die Auswirkungen der kommunalen Doppik haben nun doch eine noch schwierigere Situation aufgezeigt. Hier zeigt sich aber auch, wie es um den ländlichen Raum bestellt ist. Positiv überrascht war ich von der Aktivität der Dorfgemeinschaft in Rosenberg und seinen Ortsteilen. Hier lebt ein Gemeinschaftssinn, der mich sehr beeindruckt hat und den ich auch so von Jagsthausen nicht kannte.

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und der Verwaltung?

Ich habe sehr engagierte Mitarbeiter im Rathaus und im Bauhof. Ich muss aber auch sagen, dass ich viel von meinen Mitarbeitern einfordere und auch manche Vorgänge hinterfrage. Die Arbeit im Gemeinderat ist sehr konstruktiv, und ich hoffe, dass diese gute Zusammenarbeit nach der Kommunalwahl fortgesetzt werden kann.

Konnten Sie sich bereits ein präzises Bild von den Notwendigkeiten in der Gemeinde machen? Gibt es schon eine Prioritätenliste bei den Maßnahmen?

Für viele Baumaßnahmen aus dem Jahr 2018 wurden Förderanträge gestellt, die es nun abzuarbeiten gilt. 2019 wird die Gemeinde dadurch rund zwei Millionen Euro investieren, der Großteil davon in die Fertigstellung der Ortsdurchfahrt in Rosenberg sowie die Abwasserbeseitigung in Rosenberg und Hirschlanden. In den nächsten Jahren stehen viele Projekte an: die Befahrung der Abwasserkanäle im Rahmen der Eigenkontrollverordnung, die Überrechnung des Wasserversorgungsnetz und ein Raumkonzept für die Grundschule. Die Feuerwehrgerätehäuser stammen alle aus den 90er Jahren und entsprechen nicht mehr dem heutigen Standard, das gleiche gilt für die Sozialräume im Gemeindebauhof und auch für die beiden Hallen in Sindolsheim und Rosenberg, für die mittelfristig umfassende Unterhaltungsarbeiten anstehen.

Die ersten Projekte (Spielplatz Hirschlanden) konnten schon realisiert werden - welche weiteren werden folgen?

Mir war es wichtig, dass der Spielplatz zu Beginn der Saison fertiggestellt ist und an die Kinder übergeben werden konnte. Die Erschließung des ersten Abschnitts im Neubaugebiet Rosenberg wird auch in diesem Jahr starten. Neubaugebiete sind das eine, aber man darf den Blick nicht auf die Ortskerne vergessen. In allen Ortsteilen gibt es Leerstand und bauliche Mängel. Die Gemeinde kann mit Innenentwicklungskonzepten Bewusstsein schaffen, motivieren und beratend zur Seite stehen, um die Lebensqualität der Ortskerne zu verbessern.

Ein Wahlkampfthema war der Lebensmittelmarkt im Kernort. Gibt es Neuigkeiten bei dieser für die Bürger so wichtigen Einrichtung?

Im Februar erfolgte die Umfrage zum Lebensmittelmarkt, und zurzeit bereiten wir im Rathaus die Auswertung vor. Insgesamt 300 Antworten habe ich erhalten, und mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. In einer Infoveranstaltung am Donnerstag, 25. April, um 19 Uhr möchte ich das Ergebnis der Umfrage vorstellen. In der Zwischenzeit liegt mir auch eine Standortanalyse des Einzelhandelsverbandes vor, und einen ersten Entwurf über die Gestaltung des Marktes gibt es auch schon. Für die weiteren Schritte muss sich eine Arbeitsgruppe bilden, die mit mir zusammen das Projekt weiterführt.

Sind sie schon in einen Rosenberger Verein/Organisation eingetreten?

Die ersten Anfragen von Vereinen liegen mir schon vor, aber ich nehme mir hier noch Zeit. Als aktiver Feuerwehrmann habe ich meine Einsatzkleidung im Feuerwehrgerätehaus in Rosenberg bereits eingehängt, um damit auch die Tagesstärke zu verbessern. Unser Sohn wird sich demnächst mal das Fußballtraining in Rosenberg anschauen und vielleicht gefällt es ihm ja auch ...

Gibt es Überlegungen, Ihren Wohnsitz nach Rosenberg zu verlegen?

Um Teil der Gemeinde zu werden, sollte der Bürgermeister in der Gemeinde wohnen. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich nach Rosenberg ziehen werde. Das geht aber nicht von heute auf morgen und wir wollen auch entsprechend auf die Kinder Rücksicht nehmen. Außerdem merke ich, dass durch die Fahrten sehr viel Zeit auf der Strecke bleibt, die uns auch als Familie fehlt.

Kommen wir zurück zur Arbeit als Bürgermeister: Ist es in einer kleinen Gemeinde wie Rosenberg schwieriger, Dinge zu realisieren, als in einem Mittelzentrum oder einer noch größeren Stadt?

Ein Vergleich ist schwierig. Als Mittelzentrum hat man teilweise weitere Aufgaben wie weiterführende Schulen. Letztendlich hängt vieles von den finanziellen Mitteln ab. Gewerbegebiete bedeuten Arbeitsplätze und stärken damit die Finanzkraft einer Gemeinde und die Einwohnerzahl. Und hier hat man es als kleine Gemeinde schwerer - gerade durch die ländlichen Strukturen. Dafür spürt man in Rosenberg eine größere Identifikation mit der Gemeinde, und das Miteinander und der persönliche Kontakt sind stärker.