Erste Zwischenbilanz: Demnächst 100 Tage im Amt als Rosenberger Bürgermeister

„Ich bin inzwischen gut angekommen“

Erste Zwischenbilanz Ralph Matousek ist demnächst 100 Tage im Amt als Rosenberger Bürgermeister / Laden-Projekt geht voran / Informationsveranstaltung am 25. April

100 Tage sind schnell vorbei. Das spürt auch Ralph Matousek, der neue Bürgermeister von Rosenberg. Am 1. Januar hat er sein Amt angetreten. Zeit, eine erste kleine Bilanz zu ziehen.

Rosenberg. Mit deutlicher Mehrheit wurde Ralph Matousek, damals noch Kämmerer in Jagsthausen, im Oktober zum neuen Rosenberger Bürgermeister gewählt. Er folgte auf den langjährigen Rathauschef Gerhard Baar, der nach 20 Jahren zur Hälfte seiner dritten Amtszeit in den Ruhestand ging. Der 1. Januar war offiziell der erste Arbeitstag von Ralph Matousek.

 

Herr Matousek, die ersten 100 Tage gingen schnell vorbei. Haben Sie sich im Amt „eingelebt“?

Matousek: Ja, die Zeit verging schnell, mir ist nicht langweilig geworden. Es gab viele Gespräche und Termine; ich habe zahlreiche Kontakte geknüpft und bin im Ort „angekommen“. Ein Highlight war die Fastnacht mit fünf Veranstaltungen, das muss ich sagen. In Sindolsheim war der Bürgermeisterwahl das Bühnenbild und eine eigene „Nummer“ gewidmet. In Jagsthausen gab es keine Fastnacht-Veranstaltungen . . . Also nachdem ich das „überlebt“ habe, kann es weitergehen. Danach kamen die Jahreshauptversammlungen der Vereine.

Fühlten Sie sich bei den Vereinen gut aufgenommen?

Matousek: Ja, auf jeden Fall. Aber teilweise waren das sechs Abendtermine pro Woche, das zehrt dann schon an den Kräften. Und die Familie kommt zu kurz. Aber im ersten Jahr wollte ich nach Möglichkeit überall dabei sein.

War der Übergang von Gerhard Baar zu Ihnen denn reibungslos?

Matousek: Ja, das war problemlos. Es war gut, dass ich vor dem Amtsantritt schon öfter im Rathaus war. Das hat mir unheimlich geholfen, nahtlos in die Themen einzusteigen.

Wie arbeitet es sich im „gläsernen“ Rosenberger Rathaus mit den großen Fensterfronten zum Platz und zur Straße hin?

Matousek: Das ist schon etwas gewöhnungsbedürftig (lacht). Aber so zeigt das Rathaus Transparenz!

Bleibt in der Verwaltung alles beim Alten? Oder haben Sie organisatorische Veränderungen vorgenommen?

Matousek: Da bleibt alles beim Alten. Es wird lediglich kleine Veränderungen im Aufgabenzuschnitt geben. Ich habe tolle Mitarbeiter, die sind wirklich sehr engagiert.

Gibt es etwas, das Sie in Ihren ersten Wochen in Rosenberg besonders positiv beeindruckt hat?

Matousek: Wirklich toll ist, was die Vereine hier in Rosenberg auf die Beine stellen, von den Festen bis zum Ferienprogramm. Das gesellschaftliche Leben ist hier lebhafter als in Jagsthausen.

Ist Ihnen auch etwas negativ aufgefallen?

Matousek: Ärgerlich ist jetzt gerade, dass mit dem neuen Fahrplan seit 1. April die Bus-Abfahrtszeiten an der Schule nicht mehr mit den Schulzeiten zusammenpassen. Aber da haben wir jetzt eine Beschwerde weitergegeben und hoffen auf Verbesserungen.

Die Möglichkeit, den seit Jahren geschlossenen Einkaufsmarkt wiederzubeleben, war im Wahlkampf ein wichtiges Thema. Sind Sie da vorangekommen?

Matousek: Ja. Inzwischen haben wir 300 Fragebögen zu unserer Umfrage zurückbekommen, 800 wurden ausgegeben. Das ist sehr gut. Am 25. April wird es um 19 Uhr im Rathaus eine Infoveranstaltung geben. Dabei wollen wir erste Überlegungen vorstellen, wie der Laden aussehen könnte. Gedacht ist an eine Genossenschaft, aber das muss alles noch besprochen werden. Gespräche wegen einer ELR-Förderung laufen, ein erstes Gutachten des Einzelhandelsverbands liegt vor, eine Kalkulation ist in Arbeit. Toll ist, dass 50 Bürger auf ihre Fragebögen draufgeschrieben haben, dass sie aktiv bei dem Projekt mitwirken wollen. Ich finde, dass ein Laden zu einem gut funktionierenden Ort genauso dazu gehört wie Arbeitsplätze, Schule, Kindergarten und medizinische Versorgung. Wir haben jetzt die einmalige Chance, das zu realisieren.

Und wie läuft das jetzt beim Jagsthausener Laden-Projekt ohne Sie?

Matousek: Ich habe gerade die letzte Mitgliederversammlung als Vorstand hinter mir. Bis Jahresmitte will ich meinen Nachfolger ins Boot holen. Auch vom Verein der Freunde der Burgfestspiele habe ich mich als Geschäftsführer verabschiedet. Da sind die Brücken jetzt schon etwas abgebrochen.

Aber Sie wohnen mit Ihrer Familie noch in Jagsthausen?

Matousek: Im Moment noch. Aber mittelfristig wird sich das ändern. Meine Feuerwehr-Einsatzkleidung hängt aber jetzt schon hier im Gerätehaus.

Sie waren ja schon in Jagsthausen aktiver Feuerwehrmann. Für welche Abteilung haben Sie sich entschieden?

Matousek: Wegen der Tagesstärke für Rosenberg.

Die Feuerwehr war in den vergangenen Monaten ein Streitpunkt in der Gemeinde . . .

Matousek: Die Feuerwehr ist auf einem guten Weg. Ein Zukunftskonzept ist in Arbeit. Ich habe den Feuerwehrausschuss wieder aktiviert, um eine Dialogebene zu schaffen.

Wo werden Sie nun die Arbeitsschwerpunkte setzen?

Matousek: Im Jahr 2018 wurde ein Riesenbauprogramm für Rosenberg beschlossen, und das muss 2019 abgearbeitet werden. Bis Ende April oder Anfang Mai wird die Ortsdurchfahrt fertig sein. Dann geht es um den Neubau der Regenüberläufe 1 und 4, was jeweils etwa eine halbe Million Euro kostet. Außerdem steht der Umbau der Bahnunterführung Hirschlanden an. Das nächste Projekt ist das Neubaugebiet „Drei Morgen“, wo dieses Jahr der erste Abschnitt in Angriff genommen wird.

In der Fastnacht wurden die „teuren“ Wohngebiete kritisiert . . .

Matousek: Tatsächlich sind die Baupreise gestiegen, und auch neue Umwelt- und Naturschutzauflagen verteuern die Erschließung. So kommt es, dass „alte“, erschlossene Bauplätze 45 Euro pro Quadratmeter kosten, die künftigen aber über 100 Euro. Da stehen wir in Konkurrenz mit den Nachbarkommunen.

Haben Sie trotzdem genug Nachfrage nach den in den „Drei Morgen“ entstehenden Bauplätzen?

Matousek: Ja, für über die Hälfte gibt es Interessenten. Aber das alles muss unter dem Gesichtspunkt sehr knapper finanzieller Mittel abgearbeitet werden. Wir erstellen gerade ein Haushaltskonsolidierungskonzept. Da sind tiefe Einschnitte nötig.

Das heißt?

Matousek: Schon in diesem Jahr müssen die Friedhofsgebühren, die bisher unterdurchschnittlich waren, angehoben werden. Auch die Wasser- und Abwassergebühren müssen wir anschauen. Die Kindergartengebühren sollten auf den Richtsatz des Landes angehoben werden. Und wir müssen uns Gedanken machen über die Leistungsstandards, zum Beispiel im Winterdienst.

Wird der Gemeinderat den Weg mitgehen?

Matousek: Auf jeden Fall. Es gibt auch keinen anderen Weg, der Gemeinderat ist sich der Situation bewusst!

Hatten Sie mit dieser finanziellen Situation gerechnet?

Matousek: Teils ja, teils nein. Als Kämmerer habe ich schon gesehen, dass die Finanzdecke nicht so üppig ist. Aber die Tragweite ist doch unerwartet. Das hängt mit der Umstellung auf das neue Haushaltswesen und den Abschreibungen zusammen, aber auch mit der Finanzausgleichssystematik. Rosenberg ist aufgrund einer Gewerbesteuernachzahlung aus dem Jahr 2017 aktuell die Kreisgemeinde mit der zweithöchsten Steuerkraftsumme, schreibt aber rote Zahlen in Höhe von 200 000 Euro jährlich.

Klingt nach wenig . . .

Matousek: Ist für uns aber viel. Aber man darf nicht alles aus der Sicht des Kämmerers betrachten. Das hat mir Dekan Krauth mit auf den Weg gegeben. Man muss auch die Menschen im Kopf haben.

Aber sie sind schon skeptisch?

Matousek: Nein. Rosenberg hat alles, was Lebensqualität ausmacht: Viele Arbeitsplätze, Baugebiete, Schule, Kindergarten, ein tolles Vereinsleben, medizinische Grundversorgung, eine neue Ortsdurchfahrt, im nächsten Jahr vielleicht auch wieder einen Laden. Und wenn sich in drei Jahren noch das Pilotprojekt auf der Frankenbahn verstetigt und wir häufigere Bahnhalte bekommen, dann kann man doch sehr zufrieden sein.

aus den Fränkische Nachrichten, Samstag, 06.04.2019