Gemeinschaftsübung der Rettungskräfte

In einer Gemeinschaftsübung auf dem Bahngelände in Eubigheim probten die Gesamtwehren Rosenbergs und Osterburken zusammen mit den DRK-Ortsvereinen Rosenberg und Osterburken.

Rosenberg/Eubigheim. Die Feuerwehren und DRK-Helfer aus Osterburken und Rosenberg übten das Zusammenspiel an einem besonderen Übungsobjekt, denn die Deutsche Bahn hatte für die Großübung, an der sich rund 100 Hilfskräfte beteiligten, einen Übungszug bereitgestellt. Am Ende der einstündigen Übung wurde ein positives Fazit gezogen.

Das Übungsziel, die Verbesserung der Zusammenarbeit der Rettungskräfte nach einem Bahnunfall, sei erreicht worden, so die Verantwortlichen, ebenso das sichere Verhalten und Üben im und am Gleisbereich. Kleinere Mängel stellten die beiden anwesenden Notfallmanager der Bahn jedoch fest.

Alarm um 16.52 Uhr ausgelöst

Die Alarmierung der für die Bahn zuständigen Leitstelle in Bad Mergentheim wurde um 16.52 Uhr ausgelöst. Um 17.02 Uhr alarmierte die Rettungsleitstelle in Mosbach die Einsatzkräfte aus Rosenberg und Osterburken, denen sich beim Eintreffen am Bahnhofsgelände folgendes Übungsszenario bot: Auf dem Bahnhofsgelände in Eubigheim ist ein Pkw-Fahrer beim Überqueren des Bahnübergangs von der Straße abgekommen und im Gleisbereich stehengeblieben. Kurz danach erfasst ein durchfahrender Personenzug das Fahrzeug und schleift es mit. Durch die sofort eingeleitete Notbremsung kommt der Zug zum Stillstand.

Fahrzeug erfasst und mitgeschleift

Eine nicht genau bekannte Anzahl von Fahrgästen im Regionalzug ist verletzt, ebenso der Lokführer. Die beiden Personen im Auto sind eingeklemmt und schwer verletzt. Die Oberleitung ist nicht betroffen, da kein Schienenfahrzeug entgleist ist. Während der Übung war die Oberleitung auf Gleis zwei aber aus Sicherheitsgründen abgeschaltet worden.

Nach dem Eintreffen der Wehren aus Rosenberg und Osterburken sowie der beiden Helfer-Vor-Ort-Gruppen der DRK-Ortsvereine Osterburken und Rosenberg gab es eine kurze Lagebesprechung unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit und der Zusammenarbeit. Es folgte die Evakuierung des Personenzugs durch die Feuerwehr.

Die Wehrmänner verschafften sich zuerst Zugang zu den Waggons und begannen dann, die 17 verletzten Personen, darunter auch Kinder, aus dem Zug zu bergen. Dabei kam angesichts der teilweise schweren Verletzungen auch eine Trage zum Einsatz, was sich in den engen Abteilen und schmalen Gängen äußerst schwierig gestaltete. Nach der Bergung wurden die Verletzten an die DRK-Einsatzkräfte übergeben. Die Erstversorgung erfolgte auf dem nahen, eigens aufgebauten Verbandsplatz. Die Feuerwehrmitglieder aus Osterburken verschafften sich mit schwerem Gerät Zugang zum verunglückten Auto. Fachmännisch schnitten sie das Dach ab, um die schwer verletzten Personen zu bergen, was sich als nicht einfach erwies.

Viele Zuschauer

Ein wichtiger Aspekt dieser Übung, die auch viele Zuschauer verfolgten, war die Absicherung der Einsatzstelle und des Bahngeländes. Das übernahmen die Wehrmänner aus Bronnacker. In der Einsatzleitung erfolgte die Dokumentation, die Koordination sowie der ständige Kontakt mit dem Roten Kreuz und den beiden Bahnmanagern.

Nach einer Stunde verkündete Rosenbergs Gesamtkommandant Andreas Frey das Übungsende. In der anschließenden gemeinsamen Abschlussbesprechung im Dorfgemeinschaftshaus Hirschlanden zeigte er sich mit dem Übungsverlauf ebenso zufrieden wie Stadtkommandant Peter Schmitt (Osterburken), der zusammen mit Heiko Hoßfeld (Abteilung Sindolsheim) als Übungsbeobachter fungierte.

„Mehr als sechs Monate geplant“

Mehr als sechs Monate lang, so Schmitt, sei diese Übung geplant worden. Sie sei ruhig und mit Bedacht abgelaufen. Eine besondere Herausforderung für die Hilfskräfte sei die zeitaufwendige Suche nach den vielen Verletzten im Zug sowie die Bergung der beiden Pkw-Insassen gewesen.

Seiner Meinung nach müssen in jedem Fall die interne Kommunikation und der Informationsfluss untereinander verbessert werden. Das habe sich bei dieser Übung, die er als „nicht alltäglich“ bezeichnete, herausgestellt. Schmitts Dank galt sowohl der Bahn als auch den Hilfskräften und Statisten sowie Andreas Frey, der die Übung federführend mit organisierte.

Notfallmanager Wolfgang Gütter von der Bahn konnte „nichts Negatives“ am Verlauf der Übung feststellen. Sein Kollege Björn Wasenko sprach allerdings die für ihn viel zu lange Alarmierungszeit der Hilfskräfte an. Durch die langen Anfahrtswege sei wichtige Zeit verloren gegangen. Nicht gefallen habe ihm zudem, dass zunächst keine so richtige Absicherung der Gleise erfolgte. Diese sei „sehr wichtig“. Es war für ihn aber trotzdem eine „tolle Übung“.

Sigrid Albrecht vom DRK-Ortsverein Osterburken dankte für das schöne Miteinander und die gute Zusammenarbeit bei dieser für die DRK-Helfer interessanten Übung. Ihrer Meinung nach standen für die 17 verletzten Personen, die aus dem Zug evakuiert wurden, zu wenige DRK-Helfer zur Verfügung. Der Rettungsdienst sei nicht vor Ort gewesen.

Bürgermeister Gerhard Baar lobte den Übungsverlauf und bedankte sich bei allen Hilfskräften für ihre Teilnahme bei den herrschenden hohen Temperaturen. Sein Dank galt den beiden Notfallmanagern der Bahn, dass sie es ermöglichten, dass ein Übungszug bereitgestellt wurde. Leider habe man die Übung in Eubigheim abhalten müssen, da dort noch ein Ersatzgleis vorhanden sei.

„Ruhig und sicher gearbeitet“

„Ich schätze die ehrenamtliche Arbeit der beiden Hilfsorganisationen Feuerwehr und DRK sehr“, betonte Baar ausdrücklich. „Es wurde ruhig und sicher gearbeitet“, stellte er erfreut fest. Die Idee zur Durchführung der Übung sei zurückzuführen auf den schweren Bahnunfall am Rosenberger Bahnübergang im vergangenen Jahr, der noch sehr glimpflich und ohne nennenswerten Personenschaden abgegangen sei. Der materielle Schaden sei aber enorm hoch gewesen. Abschließend dankte der Bürgermeister den Hilfskräften für ihre stete Einsatzbereitschaft.

aus den Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 19.07.2018