Grünes Licht für Ausbau der Bahnunterführung Hirschlanden

Rosenberg.So diskussionsfreudig wie in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates am Dienstagabend im Bürgersaal des Rathauses war das Gremium schon lange nicht mehr.

Für die beiden Tagesordnungspunkte „Herstellung der Barrierefreiheit der Bahnunterführung“ im Ortsteil Hirschlanden und der „Ausbau des Radwegs Ensigheim“ wurde 90 Minuten beraten, bis schließlich die entsprechenden Beschlüsse gefasst wurden. Die Vorstellung der Planungsvarianten erfolgte durch Diplom-Ingenieur Marco Rieß vom planenden Büro Sack und Partner (Adelsheim).

Wie Bürgermeister Baar zur Baumaßnahme „Bahnunterführung“ erläuterte, wolle man heute Abend eine „Marschrichtung“ diskutieren, in welche Richtung man weitergehen wolle, was die Art der Bauausführung betrifft. Für diese geplante Baumaßnahme wurde vom Ingenieur-Büro Sack & Partner zwei Ausbauvarianten erarbeitet: eine behindertengerechte mit einer geringeren Steigung, die allerdings eine größere Baulänge, nämlich bis zur Kreisstraße, erfordert, aber aus Kostengründen bereits verworfen wurde.

Die zweite Variante betrifft eine behindertenfreundliche Ausführung, die einen Zugang zum Holzsteg über die Rinnau ermöglicht. Der Anstieg bei dieser Variante, ist mit 9,8 Prozent zwar steiler, aber noch gut begehbar. Marco Rieß stellte die beiden Varianten vor und erklärte auch die Vor - und Nachteile.

Die errechneten Kosten für die erste, bereits verworfene Variante belaufen sich auf 145 000 Euro brutto einschließlich aller Baunebenkosten, die zweite Variante kostet 100 000 Euro.

Wie Ortsvorsteher Martin Herrmann sagte, habe sich der Ortschaftsrat sowie die Baugruppe vom Dorf intensiv mit diesem Problem befasst. „Und das schon seit fünf Jahren“, hob er hervor. Die Gemeinde wurde mehrmals auf diesen Gefahrenpunkt hingewiesen. Eine von der Baugruppe durchgeführte Erhebung zeige, dass 32 Personen mit Rollator regelmäßig, auch täglich, die Unterführung benutzen.

Zahlreiche erfolgte Unfälle verdeutlichten für ihn, so Herrmann, dass diese Maßnahme, so teuer sie auch sei, dringend notwendig ist. Der barrierefreie Umbau der Bahnunterführung stehe für ihn außer Frage. Gemeinderat Lukas Haas sah dies nicht so, erwähnte die hohen Kosten und war der Meinung, dass man den Rollatorfahrern in „Stoßzeiten“ zum Kirchenbesuch oder einer anderen Veranstaltung durchaus einen Umweg von rund 300 Metern zumuten könne. Diesen Vorschlag bezeichnete der Ortsvorsteher wiederum als „Unverschämtheit“.

Gemeinderätin Anna Heppner betonte, dass man den Einwohnern die Teilnahme am dörflichen Leben ermöglichen solle, um von „A nach B“ zu kommen. Diese Unterführung sei ein neuralgischer Punkt in Hirschlanden. Herrmann meldete sich erneut zu Wort und zeigte sich über die Aussage von Haas entsetzt. Er nannte als Beispiel, dass die Hirschlander Gemeinderäte dem Kauf des Lebensmittelmarktes sowie der Ortsdurchfahrt in Rosenberg zustimmten.

Das rief wieder den Bürgermeister auf den Plan, der betonte, dass der zukünftige Einkaufsmarkt allen Bürgern der Ortsteile zum Einkaufen zur Verfügung steht. Zudem sollte man aufhören, aufzurechnen, in welchem Ortsteil welche Investition durchgeführt werde. Gemeinderat Jochen Kautzmann fand es unmöglich, dass man sich bereits beim ersten Punkt der Sitzung gegeneinander „aufwiegelt“.

Er vertrat die Meinung, dass Hirschlanden diese Rampe benö-tigt, war aber von der hohen Kostenberechnung überrascht. Gemeinderätin Katrin Weiber lobte die Arbeit des Ortsvorstehers von Hirschlanden, mahnte aber an, dass man die Ortsteile nicht gegeneinander ausspielen dürfe. Mehr als eine Stunde wurde diskutiert. Nach Austausch aller Argumente stimmte der Gemeinderat schließlich zu, die Planung der zweiten Variante weiter zu verfolgen. Die Baukosten werden im Haushaltplan 2019 eingeplant, wobei noch eine Bezuschussung durch das ELR-Programm abgeklärt werden muss.

Eine rege Diskussion entwickelte sich auch beim geplanten Ausbau des Radwegs Ensigheim, wo Marco Rieß nach Darstellung der Ist-Situation zwei Ausbauvarianten vorstellte. Ausgangssituation ist die Verbes-serung des Radweges und die Aufnahme in das Förderprogramm des Landes, die zwischenzeitlich erfolgte. Bei der ersten vorgestellten Variante, einem Vollausbau mit einer Ausbaulänge von 800 Metern betragen die Baukosten rund 470 000 Euro und in einer „reduzierten“ etwas abgespeckten zweiten Varianten immerhin noch 190 000 Euro, wo die Straßenlänge rund 630 Meter beträgt. Die Bauzeit bezifferte Rieß auf drei Monate. Die Entscheidung wurde nach eingehender Beratung vertagt. Nach Abklärung der Fördermöglichkeiten für beide Varianten ist der Baubeginn frühestens im Jahre 2019 möglich. F

aus den Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 26.04.2018