Mit "Frohsinn, Herz und Verstand“ regieren - Rathaussturm

Kaum war Rosenbergs neuer Bürgermeister Ralph Matousek im Amt, wurde er von der bunten „Säulischar“ bei der am Freitag mit einem kräftigen „Hujaggaga“ erfolgten Stürmung des Rathauses bis Aschermittwoch wieder „abgesetzt“.

Diese Auszeit, so Präsi Klaus Wild, sei ihm aber gegönnt, denn er hat doch in den letzten Wochen schon so viel für seine neue Gemeinde geschafft. Als Zeichen der Machtübernahme hissten zwei Gardisten die „Säuli-Fahne“, damit auch der letzte Rosenberger weiß, dass die Narrenzunft die Macht übernommen hat.

Beste Stimmung

Die Sonne schien zwar nicht wie einen Tag zuvor, aber unter dem Narrenvolk und den Zaungästen herrschte beste Stimmung und eitel Sonnenschein.

Nach dem traditionellen „Säuli“- Frühstück beim noch amtierenden Prinzenpaar Karola I. und Harry I. folgte der gemeinsame Marsch durch die Dörrhöferstraße, jetzt „Dönerstraße“ genannt, zum Rathaus, wo das neue Gemeindeoberhaupt schon in seinem aufgeräumten Amtszimmer mit dem Schlüssel und der wie immer leeren Rathauskasse wartete.

Im „Stechschritt“ eilten dann vier Gardefrauen in sein Büro, um den neuen „Boorchemeschter“ abzuholen. Ein solch lustiges Zeremoniell hatte der neue „Gmoonsbabbe“ in seiner bisherigen Tätigkeit als Kämmerer in Jagsthausen noch nicht mitgemacht. Ohne Gewalteinwirkung ließ er sich bereitwillig vor das Rathaus führen, wo er mit einem dreifachen „Rouscheberch Hujaggaga“ von den „Säuli“ empfangen wurde.

Prinz Harry I. hatte dann letztmals einige gereimte Sätze parat, der auch im Namen der Prinzessin verfügte, dass am Fastnachtsfreitag um 10.30 Uhr die Allmacht der Gemeindeverwaltung und die des Bürgermeisters in die Hände der Narren übergeht, der aber noch einige Vorbereitungen zu treffen habe:

„Die Amtsstuben sind wohnlich und gemütlich herzurichten, die NZRM- Fahne wird als Zeichen der Machtübernahme am Fahnenmasten vor dem Rathaus aufgehängt und jegliche Gegenwehr, auch der bediensteten Frauen, ist zu unterlassen. Für eine üppige Speisung der Säuli ist zudem zu sorgen. Sollte dieser Anweisung nicht gefolgt werden, so ist die NZRM-Garde angewiesen, schonungslos die Bestände der Vorratskammer zu plündern. Das Jammern und Wehklagen der Verwaltungsmannschaft und des Bürgermeisters ist bis Aschermittwoch zu unterlassen. Der Medienrummel darf geübt und Journalisten darf freien Lauf gelassen werden,“ verfügte Prinz Harry I. Und weiter: „Alle Schüler haben von jetzt an das Regiment in der Schule und alle Lehrer haben sich an die Anweisungen der Schüler zu halten“, wofür es lautstarken Jubel und Beifall des närrischen Völkchens gab.

Bürgermeister Ralph Matousek ließ sich ohne Widerstand abführen. Bevor er von seinem Amt enthoben wurde, hatte er noch einige Verse parat. „Die tägliche Medienflut mit vielem Unsinn lässt uns manchmal glauben, die Welt sei bereits in Narrenhänden. Wer hätte gedacht, dass ein Trump einmal die USA regiert, die Gelbwesten Paris auseinandernehmen und die Autoindustrie mit dem Diesel bescheißt. Vor lauter Fake-News wisse man nicht, was richtig ist.

Nach nur neun Wochen als Bürgermeister in Rosenberg müsse er nun seinen Platz schon wieder räumen, sagte der „abgesetzte“ Bürgermeister, der aber betonte: „Kampflos ergeben wir uns im Rathaus nicht. In Rosenberg regiert bis jetzt nur die Vernunft – auch wenn es nach außen manchmal nicht so scheint. Es regiert ein wundervoller Bürgermeister und meisterliche Gemeinde- und Ortschaftsräte treffen alle Entscheidungen mit großer Würde und Sorgfalt. Wir machen nicht nur die Dinge richtig, sondern auch die richtigen Dinge gut. Jetzt kommt Ihr daher, Ihr lieben Narren und sagt, die Welt gehöre in Narrenhände. Nun, zweifellos, Rosenberg hat ganz besondere Narren. Wo gibt es so aktive, so sportliche, so erfolgreiche, so wundervolle Narren wie bei uns? Nirgendwo – und das will heißen“, so der „Freibeuter“ aus Jagsthausen, und weiter: „Ihr seid die besten und die größten Narren – und somit würdig die Gemeinde zu regieren.“

Schlüssel in guten Händen

Deshalb halte er sich nicht länger am Gemeindeschlüssel fest. „Man weiß, bei Euch ist die Gemeinde in den besten närrischen Händen, getreu dem Motto: Wenn die Narren uns regieren, dann kann uns Gutes nur passieren“.

Matousek forderte die „Säuli“ auf, bis Aschermittwoch mit Frohsinn, Herz und närrischem Verstand zu feiern und dabei nicht zu vergessen, die leere Gemeindekasse mitzunehmen. „Klimpern tut nicht viel, dafür raschelt es mehr. Aber wer jetzt an große Scheine denkt, der hat vergessen, dass Rosenberg kein Reichtum hat.“ Für jedes närrische Vorstandsmitglied hatte er einen Schuldschein ausgestellt. Dann erklärte er das Rosenberger Rathaus mit einem dreifach donnernden „Hujagagga“ als „gestürmt“.

Das Spektakel wurde mit fastnachtlichen Liedern der Flötengruppe der Grundschüler unter der Leitung von Jeannette Hagenbuch begleitet, für die es am Ende die traditionelle „Fastnachtsbrezel“ und das „Säuligebäck“, ein süßes „Ringelschwänzchen“ gab, bevor es wieder in den Unterricht zurückging. Die Säuli unterdessen folgten nach einer närrischen Schunkelrunde dem Aufruf des Schultes, ins Rathaus zu kommen, wo es bei Kaffee, Sekt und Bier so richtig gemütlich war.

aus den Fränkische Nachrichten, Montag, 04.03.2019