Holzmachen ist Gerhard Baars großes Hobby

Er hat jede Menge Holz vor der Hütte. Selbstgemacht wohlgemerkt! Und er war gerne Bürgermeister. Genauso gerne, wie er jetzt keiner mehr ist: Gerhard Baar, früherer Rathauschef und Ehrenbürger von Rosenberg.

Bronnacker. „Baar beim Kochen“, meldet sich der 63-Jährige am Telefon, während es im Hintergrund ordentlich brutzelt. „Na wunderbar. Wann kann ich kommen?“, nehme ich ihn beim Wort.

Und tatsächlich: Während früher Gerhard Baar morgens das Haus verließ und zur Arbeit fuhr, übernimmt er nun viel mehr Arbeiten im Haushalt, seit er nicht mehr Chef im Rathaus ist: „Ich hab den Staubsauger-Führerschein bestanden und kann jetzt auch Bechamelsoße zubereiten“, zwinkert ein ausgeglichener Gerhard Baar, der mit seiner neuen Rolle alles andere als unzufrieden ist. „Zwischen Rostbraten und Pesto ist alles drin“, ist er stolz. Nur mit dem Thermomix habe er sich noch nicht angefreundet.

Nach der Hälfte seiner dritten Amtszeit hörte Gerhard Baar 2018 nach 20 Jahren als Bürgermeister überraschend auf. Und hat damit manchen Amtskollegen etwas voraus: Den Mut, zu dem zu stehen, was man spürt, und wirklich eine Entscheidung zu treffen. Aber das müsse letztlich jeder für sich selbst entscheiden, so Baar.

„Keine Zeit für nichts mehr“

„Der hauptsächliche Beweggrund war, dass ich mich mehr und mehr fremdbestimmt gefühlt habe. Keine Zeit mehr für nichts hatte. Das ging mir immer mehr gegen den Strich“, blickt Baar zurück. Und wenn man nicht mehr bereit sei, seine Termine gerne wahrzunehmen, dann müsse man überlegen, ob es nicht sinnvoller sei, aufzuhören. „Häufig habe ich mir morgens vorgenommen, was ich erledigen wollte. Und dann kam alles ganz anders. Nichts von dem, was ich vorhatte, war erledigt“, erzählt er. Oft sei genau das das alltägliche Geschäft gewesen. „Genau aus dem Grund mache ich wahrscheinlich so gerne Holz. Da sieht man am Ende des Tages genau, was man geschafft hat.“

Allerdings verschweigt er nicht, dass sein Vater mit 65 Jahren am plötzlichen Herztod gestorben ist und diese Tatsache ebenfalls zu seiner Entscheidung beigetragen hat. Grundsätzlich könne man als Bürgermeister gestalten und Ideen einbringen. Das sei die kreative Seite des Amtes. „Und natürlich ist es total egal, wann man aufhört. Man hat immer Projekte, die man gerade plant, die schon angelaufen sind und solche, die kurz vor dem Abschluss stehen“, weiß er aus Erfahrung und ergänzt: „Ralph Matousek ist ein engagierter Bürgermeister für Rosenberg und kann ausgezeichnet auf die Menschen zugehen.“

„Ich habe meine Entscheidung nie bereut. Nicht einen Tag“, sagt er. Und wenn man ihn so ansieht, glaubt man ihm. Nachdem der enorme Druck des Amtes von ihm abgefallen sei, habe er ein echtes „Befreiungsgefühl“ verspürt. Da Gerhard Baar in der Landwirtschaft aufgewachsen ist, sind es auch genau diese Themen, die ihn heute beschäftigen und denen er mit Herzblut nachgeht: Mit Leidenschaft gärtnert er, bringt im Frühjahr als erstes den Paprikasamen aus oder den Salat, sobald die Sonne es zulässt. Gerade hat er den letzten Feldsalat geerntet. „Und jetzt hab ich sogar eine Pflanzenlampe gekauft“, verkündet er stolz.

Die Jagdpacht und das Holzmachen sind weitere Themen, für die er jetzt endlich Zeit hat und die ihn zufrieden machen. Er liebt es, mit der Motorsäge in den Wald zu gehen. Die Arbeit trainiert den Körper und füllt den Holzvorrat. „Dabei gewinnt jeder: Mein Bruder, der einen Bauernhof hat, leiht mir seine Maschinen und ich mache für ihn das Brennholz“, verrät Gerhard Baar. Doch das ist noch lange nicht alles. Jedes Jahr gibt es andere Projekte, in die der Ehrenbürger von Rosenberg seine Energie investiert: Im ersten Jahr bekam er einen verrosteten Viehanhänger und ein altes Elektro-Schweißgerät geschenkt. „Damit hab ich mir dann einen fahrbaren Hochsitz gebaut“, ist er stolz.

Gewächshaus gebaut

Im zweiten Jahr hat eine umgestürzte Fichte auf dem Feld seines Bruders dafür gesorgt, dass Ideen und Arbeit nicht ausgingen. Ein großes Gewächshaus entstand unter seinen Händen. „Mit unseren 40 Tomatenstöcken versorgen wir die ganze Familie“, so Baar und ist überzeugt: „Projekte braucht man einfach.“

Im letzten Jahr hat Familie Baar dann die Ölheizung abgeschafft und auf eine Wärmepumpe umgerüstet. Dabei hat er die Fundamente selbst gegraben, eingeschalt und betoniert und die 2500 Liter Heizöl, die noch im Tank waren, dem TSV Rosenberg geschenkt. Grundsätzlich arbeitet der Ehrenbürger aber nicht nur an seinen eigenen Projekten, sondern sieht die Ehrenbürgerwürde auch als Verpflichtung an, der Gemeinde etwas zurückzugeben. Im Jahr 2020 hat er die Sitzbank vor dem Rathaus erneuert, im Folgejahr die Tischtennisplatte für die Grundschule gestiftet und ehrenamtlich kümmert er sich auch um die Grünfläche in Bronnacker und beim TSV Rosenberg um die Grünflächen um den Sportplatz. So kann es schon sein, dass man im Herbst durch Bronnacker fährt, und der Ehrenbürger – auf den Knien rutschend – Tulpenzwiebeln eingräbt.

Bezug der Menschen zur Gemeinde

„Und es ist mir eine Ehre. Ich bin froh, dass es in unserer Gegend noch einen echten Bezug der Menschen zu ihrer Gemeinde und zu ihren Ortsteilen gibt und sich deshalb viele Menschen ehrenamtlich engagieren. Dafür bin ich sehr dankbar und das stimmt mich zuversichtlich.“