Dorfladen auf der Zielgeraden - „Schön, dass wir das geschafft haben“

Ganz ohne das eigentlich geplante Fest geht am Mittwoch ein Herzenswunsch vieler Rosenberger in Erfüllung: Der Dorfladen öffnet seine Türen.

Rosenberg.An der Fassade sorgt Jürgen Schäfer für den letzten Anstrich, Elektriker Carsten Remmler kümmert sich um die Kühlvitrinen, der Mann von Edeka packt Kisten in die Regale, Mitarbeiterinnen räumen Ware ein, nach der Kühlanlage muss man auch noch mal schauen, Bürgermeister Matousek bringt einen schicken Schirmständer für den Laden und rollt gleich darauf noch die Fußmatte im Eingangsbereich aus.

Sechs Jahre lang haben der Gemeinderat, viele ehrenamtlich Engagierte und zwei Bürgermeister dafür gekämpft, in Rosenberg wieder eine Nahversorgung auf die Beine zu stellen: Jetzt ist es geschafft. Die FN trafen Bürgermeister Ralph Matousek, die Vorstandsmitglieder Annika Thier und Josef Metzger sowie Ortsvorsteher Sven Baumann zu einem Gespräch im Dorfladen, der an diesem Vormittag eher einem Bienenstock glich. Während der Rüttler vor der Glasfront für ordentlich Lärm und Erschütterungen sorgte, freuten sich die Vier, dass das große Projekt nun der Fertigstellung entgegengeht.

Herr Matousek, was bietet der neue Dorfladen den Kunden aus Rosenberg und Umgebung?

Annika Thier: Auf Wunsch können wir unseren Kunden jeden Artikel aus dem 12 000 Produkte umfassenden Sortiment der Edeka bestellen.

Matousek: Wir wollen uns nicht mit einem Discounter messen. Wir haben eben keine zehn Sorten Mehl, sondern zwei oder drei, ein günstiges ist darunter und eines von einem regionalen Erzeuger. Lokale Anbieter wie die Kirchenkäserei, die Talmühle Haas und andere sind bei uns gut vertreten mit Produkten wie Honig, Nudeln und anderem.

Was hat der Dorfladen gekostet?

Matousek: Die Investitionen liegen bei rund 600 000 Euro. Wir haben aber auch viel Eigenleistung eingebracht. Das summiert sich auf rund 1000 Stunden.

Ist der Kaufpreis darin enthalten?

Matousek: Das waren 140 000 Euro, die muss man tatsächlich noch dazu nehmen. Ein guter Preis, denke ich. Ohne die weitsichtige Entscheidung des Gemeinderats, das Gebäude zu kaufen, stünden wir heute nicht hier. Das war ein Kampf, das war keine leichte Entscheidung.

Thier: Ja, da wurde hart diskutiert.

Ortsvorsteher Sven Baumann: Ich erinnere mich gut an die Bürgerversammlung vom 10. September 2016. Da wurde schon der Wunsch der Bürger laut, wieder eine Einkaufsmöglichkeit zu haben. Das Argument: Ältere verlassen den Ort, weil sie nicht einkaufen können, Jüngere, weil sie keinen Bauplatz bekommen. Beides hat sich nun zum Besseren gewendet.

Welcher Gewinn steht den relativ hohen Kosten entgegen?

Thier: Der Laden bedeutet einfach mehr Lebensqualität. Und kurze Wege. Kinder, die hier auf dem Schulweg vorbeikommen, freuen sich, wenn sie mal ein Eis kaufen können.

Matousek: Mit der Eröffnung des Dorfladens wird das Herz der Gemeinde wiederbelebt. Nur mit einer guten Nahversorgung können wir attraktiv bleiben. Außerdem bekommen wir mit dem Café wieder eine Begegnungsstätte, zumal wir keine Dorfkneipe mehr haben. Hier im Laden kann man zusammenkommen und Zeit miteinander verbringen – leider erst wenn Corona vorbei ist.

Warum die Form der Genossenschaft?

Matousek: Weil wir so die Bürger mitnehmen können. Es entsteht ein Wir-Gefühl im Ort. Eigentümerin ist die Gemeinde, Betreiber die Genossenschaft. Sie hat auch den Umbau finanziert.

Thier: Das Schöne ist, dass wir schon mehr Mitglieder haben, als sich letztes Jahr bei der Vorab-Umfrage gemeldet haben. „Es ist unser Laden“, können die aktuell 210 Genossenschaftsmitglieder sagen.

Herr Matousek, was empfinden Sie in diesen Tagen persönlich? Sie haben ja das schier Unmögliche geschafft!

Matousek: Vor einem Jahr haben wir die Entwurfsplanung vorgestellt, und jetzt haben wir das in so kurzer Zeit realisiert. Das ist einfach schön. Das geht aber nur, weil alle mitgezogen haben. Wir sind eine tolle Truppe, im Vorstand mit Josef Metzger mit seiner Erfahrung und Ursula Geiger in der Buchhaltung. Besonders freut mich, dass eine junge Frau wie Annika Thier, die noch dazu voll berufstätig ist, so aktiv im Vorstand ist. Der Laden ist ein Projekt aller Generationen. Ich freue mich persönlich, dass wir das geschafft haben, ich freue mich schon auf die ’Ahs’ und ’Ohs’, wenn der Laden nächste Woche aufmacht. Und ich freue mich, mir hier mittags was zum Essen zu holen!

Thier: Schön ist auch, dass immer Freiwillige da waren, die mithalfen. Der Rückhalt war zu jeder Zeit da.

Josef Metzger: Ja, viele sagten zu mir nach den Arbeitseinsätzen: „Gell, wenn mal was ist, ruf mich an! Ich helfe gern wieder.“

Gab es auch Momente, in denen Sie dachten, das wird nichts?

Matousek: (entschieden) Nein, die gab es nicht.

Metzger: Ich denke, das ist seit der Bürgermeisterwahl klar, dass das klappt. Die Leute haben Ralph Matousek gewählt, weil der gesagt hat, er macht den Laden wieder auf.

Wenn der Dorfladen jetzt steht, haben Sie ja Kapazitäten frei. Wäre es eine Idee, als nächstes Genossenschaftsprojekt eine Dorfkneipe auf die Beine zu stellen?

Matousek: Die fehlende Kneipe wird sicher in den nächsten Jahren Thema. Aber im Moment beschäftigt uns der Betrieb des Ladens vollauf.

Eine provokante Frage: Wird der Dorfladen überleben?

Metzger: Auf jeden Fall!

Baumann: Ja, wird er. Alle freuen sich darauf.

Matousek: Ich denke auch, denn nicht nur die Rosenberger, sondern die Bürger aus allen Ortsteilen stehen hinter dem Laden. 210 Mitglieder hatten den Mut, das Projekt anzugehen. Wir haben viel investiert. Jetzt haben wir wieder eine Nahversorgung. Nun liegt es an den Bürgern, das auch zu nutzen.

aus den Fränkische Nachrichten, Samstag, 14.11.2020