Interview: Rosenbergs Bürgermeister hat noch viel vor

RNZ-Rathausrunde

Rosenbergs Bürgermeister hat noch viel vor

Ralph Matousek will Gemeinde kreativ nach vorne bringen - Jetzt wird bald mit dem neuen Dorfladen

Rosenberg. Bürgermeister Ralph Matousek versprüht Aufbruchstimmung. Mit ihm an der Spitze eines engagierten Teams ist Rosenberg gut gewappnet für die großen Aufgaben der Zukunft, auch wenn es finanziell für die Flächengemeinde an der Kirnau oftmals ein Spagat ist. Große Hoffnung setzt man im Ort auf den neuen Dorfladen, der Ende des Jahres eröffnet werden soll.

Herr Bürgermeister Matousek, was stellt Corona mit dem eh schon arg gebeutelten Rosenberger Haushalt an?

Natürlich macht man sich Gedanken, wie es weitergeht und was man für Maßnahmen ergreifen sollte. Leider hat man nur einen begrenzten Einfluss auf die Entwicklung. Eigentlich sehe ich es noch etwas gelassen. Wir haben Einnahmeausfälle und versuchen, mit einer strengen Haushaltsdisziplin darauf zu reagieren. Und hier ziehen alle öffentlichen Einrichtungen an einem Strang. Hilfreich ist auch die Unterstützung von Bund und Land, worüber ich sehr dankbar bin. Wir werden am Jahresende sehen, wie das Ergebnis dann für 2020 aussieht.

Neben den Finanzen hat auch das gesellschaftliche Leben in den letzten Monaten stark gelitten. Was sind für die Gemeinde Rosenberg und für Sie persönlich in diesem Bereich die einschneidendsten Einschränkungen?

Die Vereine sind der Rückhalt unserer Gesellschaft und leisten für die Rosenberger einen großen Beitrag. Und hier mache ich mir wirklich Sorgen. Nicht nur die finanzielle Seite der Vereine und die fehlenden Feste, die uns die Möglichkeit zu Begegnungen bieten, sondern die Bürger wieder für die Vereine und das Ehrenamt zu begeistern. Mir persönlich fehlt ebenso die Begegnung mit den Bürgern und ich genieße zurzeit jede kleine Möglichkeit von sozialen Kontakten.

Wir haben aktuell in allen Ortsteilen eine sehr hohe Nachfrage nach Bauplätzen und sind mit der Situation sehr zufrieden. Mein eigenes Bauprojekt in Rosenberg hat nun auch begonnen, und meine Familie und ich freuen uns auf Rosenberg.

Die Investition in die jüngere Generation wird in den Kommunen allgemein als große Zukunftsaufgabe erachtet. Wie ist Rosenberg in diesem Bereich, also Grundschule, Kindergarten, aufgestellt?

Erfreulicherweise merken wir in allen Ortsteilen eine Zunahme der Geburtenzahlen und können in den nächsten Jahren in beiden Kindergärten die notwendigen Plätze anbieten. Einen zusätzlichen Bedarf haben wir bei den unter drei-jährigen Kindern. Das Ganztagsangebot von Krippe und Kindergarten ist in Rosenberg gut und soll mit der Ausweitung der verlässlichen Grundschule ab Herbst auch in der Grundschule weitergeführt werden. Der Medienentwicklungsplan für die Grundschule ist in Arbeit, sodass demnächst die Klassenzimmer digital ausgestattet sind.

Zur Infrastruktur zählt auch die Einkaufsmöglichkeit vor Ort. Hier setzen die Rosenberger große Hoffnungen auf den von Ihnen initiierten Dorfladen. Wie läuft es bei der Wiederbelebung des Dorfladens?

Jede Gemeinde benötigt eine gewisse Grundversorgung mit Lebensmitteln oder auch Gaststätten, unter anderem auch als Ort der Begegnung. Ansonsten fehlt etwas in einer Gemeinde. Und wenn dies niemand in Eigenregie ausübt, dann kann es nur die Gemeinschaft der Bürger selbst realisieren. Die Rosenberger ziehen bei diesem Projekt mit. 200 Bürger haben sich mit rund 100.000 Euro bereits an der Genossenschaft beteiligt. Die Bauarbeiten haben begonnen und wenn alle Handwerker mitmachen, steht einer Eröffnung Ende des Jahres nichts im Wege. Natürlich ist jeder als Mitglied, ehrenamtlicher Helfer oder Kunde willkommen.

Wo hat Rosenberg neben dem Dorfladen noch Nachholbedarf?

Rosenberg bietet mit den Betreuungsmöglichkeiten, dem zukünftigen Dorfladen, der ärztlichen Versorgung, den Dorfgemeinschaftshäusern, Sporthallen, dem Bahnhaltepunkt, den Banken, dem örtlichen Gewerbe und dem großen ehrenamtlichen Engagement der Vereine sehr viel. Da sind wir sehr gut aufgestellt. Es gilt, in den kommenden Jahren dieses Niveau zu halten und ein weiteres "Wegbrechen" zu vermeiden. Schön wäre es, noch eine Gaststätte etablieren zu können.

Was sehen Sie als größte Herausforderung für die Gemeinde Rosenberg in der Zukunft an?

Die größte Herausforderung wird in den kommenden Jahren die Innenentwicklung sein. Die Neubaugebiete sind eine Sache, aber uns muss es auch gelingen, die Menschen dazu zu bewegen in die Ortsmitte zu ziehen, ihre Häuser und Betriebe zu erhalten und zu sanieren. Gerade die Ortskerne haben über Jahrhunderte die Gemeinde geprägt. Zukünftig werden wir auch die interkommunale Zusammenarbeit intensivieren müssen, um Synergien und Entwicklungen besser zu nutzen.

Im Gemeindegebiet Rosenberg gibt es vor allem zwei interessante Einrichtungen, die über die Region hinaus große Strahlkraft besitzen. in Sindolsheim die Kirchenkäserei und in Hirschlanden feiert Hirsch-Bräu mit der Brauerei große Erfolge.

Ja, beides sind Leuchtturmprojekte, die von den Bürgern getragen werden. Wir sind stolz auf das bisher Erreichte, und ich wünsche mir auch für die Zukunft, dass sich die Menschen weiterhin hierfür einsetzen. Die Gemeinde wird die Einrichtungen weiter mit Rat und Tat begleiten.

Der größte Arbeitgeber im Ort ist das Werk Rosenberg der Firma Magna (früher Getrag), ein Hersteller von Automobil-Getrieben, der mehr als 500 Arbeitsplätze für die Region bietet – ein Segen für Rosenberg?

Definitiv ein Segen. Jede Gemeinde braucht neben den Einwohnern auch Arbeitsplätze und damit eine Wertschöpfung im Ort. Und gerade für den ländlichen Raum und Rosenberg sind diese Arbeitsplätze sehr wichtig. Aber auch die kleinen Gewerbebetriebe in Rosenberg sind mir wichtig.

Kommen wir zu den Ortsteilen: Welche größeren Maßnahmen wollen der Gemeinderat und Sie in nächster Zeit verwirklichen?

In Sindolsheim: Mittelfristig steht hier die Sanierung der Halle an. In Hirschlanden: Neubau des Regenüberlaufs in der Ringstraße. Und in Bronnacker: ein kleines Neubaugebiet für den örtlichen Bedarf. Und nicht zu vergessen in Rosenberg: Hier gilt es, das Areal unterhalb der Kirche weiterzuentwickeln. Darüber hinaus werden wir uns aber auch mit einigen Zukunftsstrategien in der Gesamtgemeinde beschäftigen: im Gemeindebauhof, den Feuerwehren oder der Abwasserbeseitigung.

Feuerwehr ist schon länger ein wichtiges Thema in ganz Rosenberg. Sie sind selbst passionierter Feuerwehrler. Auf welchem Stand sehen Sie Ausstattung und Struktur der Wehren vor Ort?

Die Feuerwehrabteilungen in Rosenberg sind fahrzeugtechnisch gut aufgestellt und mit mehr als 70 ehrenamtlichen Mitgliedern auch sehr schlagkräftig. Die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen ist sehr gut und wird durch regelmäßige gemeinsame Übungen praktiziert. Eine Baustelle sind die Feuerwehrgebäude, die alle nicht den heutigen Anforderungen entsprechen. Im Herbst wird der Feuerwehrbedarfsplan fertig sein. Damit möchten wir die langfristigen Weichen stellen.

Sie sind seit 2019 Bürgermeister in Rosenberg. Haben sich Ihre Erwartungen, was das Aufgabenspektrum betrifft, bestätigt? Und fühlen Sie sich von der menschlichen Seite wohl hier?

Ich fühle mich sehr wohl in Rosenberg und fühle mich auch sehr gut aufgenommen. Ich habe im Rathaus und dem Gemeindebauhof ein sehr motiviertes Team, und die Zusammenarbeit macht einfach Spaß. Dankbar bin ich auch für das vertrauensvolle Miteinander mit den Kindergärten, der Grundschule, den Kirchengemeinden und den Vereinen.

Das Jahr 2019 war für mich und meine Mitarbeiter sehr fordernd. Zum einen mussten wir uns erst einmal kennenlernen, aber auch die Haushaltsberatung Anfang Januar 2019 und die finanzielle Situation von Rosenberg waren eine große Herausforderung. Es galt, einige für die Bürger belastende Entscheidungen zu treffen. Zurückblickend war dies aber der richtige Weg und notwendig. Das Jahr 2020 ist geprägt von viele Baumaßnahmen und den Auswirkungen von Corona. Sie sehen, uns wird nicht langweilig. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch diese besondere Situation gut bewältigen.

Haben die Bürger und die Mitstreiter in den Gremien Sie gut aufgenommen?

Ja, das kann ich für mich nur bestätigen. Die Zusammenarbeit im Gemeinderat ist sachlich und gut. Auch mit den Ortsvorstehern stehe ich regelmäßig im Austausch.

Ist Bürgermeister ein Traumjob?

Bereits im Studium zum Verwaltungswirt hat mich der Beruf Bürgermeister gefesselt und der Berufswunsch ist entstanden. Mir war es wichtig, Berufserfahrung in dieses Amt mit einzubringen. Natürlich muss man manchmal Rückschläge einstecken, aber ich lasse mich nicht entmutigen und habe noch viele Ideen für Rosenberg.

Können Sie sich eine zweite Amtszeit in Rosenberg vorstellen?

Meine Arbeit macht mir sehr viel Freude und der Kontakt zu den Menschen ist mir sehr wichtig. Das Schöne an dem Beruf Bürgermeister ist die Gestaltungsmöglichkeit. Man darf an der Entwicklung einer Gemeinde teilhaben und kann die Menschen für eine Sache begeistern. – Nach knapp zwei Jahren als Bürgermeister in Rosenberg kommt diese Frage derzeit noch viel zu früh.