Neue Wege der Energieversorgung gehen

Lohnen sich Photovoltaik-Anlagen auf Privathäusern? Um diese Frage, die viele Hausbesitzer umtreibt, fundiert beantworten zu können, startet die EAN eine Photovoltaik-Initiative für Privathäuser.

Rosenberg. Lohnen sich Photovoltaik-Anlagen auf Privathäusern – die Antwort auf diese Fragen will die Energieagentur Neckar-Odenwald (EAN) im Rahmen einer PV-Initiative für Privathäuser beantworten. Unterstützt wird diese Aktion vom Land Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem PV-Netzwerk Rhein-Neckar. So werden in den kommenden Wochen im gesamten Landkreis in enger Zusammenarbeit mit den Gemeindeverwaltungen Informationsveranstaltungen stattfinden. Der Startschuss war in Rosenberg.

Rosenbergs Bürgermeister Ralph Matousek freute sich über den gut besuchten Sitzungssaal im Rathaus. Ein besonderer Willkommensgruß galt Landrat Dr. Achim Brötel sowie den Vertreter der EAN, Diplomingenieur Uwe Ristl und Diplomphysiker Peter Brönner.

PV-Anlagen als Standard

Für das Gemeindeoberhaupt gehören PV-Anlagen auf Häusern zur Standardausstattung, man müsse vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung bei der Energieversorgung neue Wege gehen. Abschließend empfahl er, den „regionalen Akteuren wie der EAN, den heimischen Handwerksbetrieben und Banken zu vertrauen.

Landrat Dr. Achim Brötel machte mit einem Obama-Zitat den Ernst der Lage deutlich: „Wir sind die erste Generation, die die Folgen des Klimawandels spürt. Und wir sind die letzte, die etwas dagegen tun kann.“ Er freute sich über die kreisweite PV-Initiative für Privathäuser und dankte der EAN für ihr Engagement.

In seinem Fachvortrag ging Peter Brönner auf verschiedene Bereiche ein. Die Sonne liefere Energie „ohne Ende“ und die PV-Technologie habe zwischenzeitlich einen sehr hohen Wirkungsgrad. Aufgrund der relativ niedrigen Einspeisevergütung von deutlich unter zehn Cent pro Kilowattstunde sei die Devise, so vielStrom wie möglich selbst zu verbrauchen, um somit die „normalen“ Stromkosten von knapp 30 Cent einzusparen.

Man verfüge über ein spezielles Computerprogramm, in dem praktisch alle individuellen Gegebenheiten bis hin zum Elektroauto simuliert werden könnten. Der übliche Eigenstromanteil liege bei knapp 30 Prozent, bei Einsatz einer Speicherbatterie könne man diesen auf circa 60 Prozent steigern. „Bei Anbietern, die in Beispielrechnungen deutlich höhere Eigenstromanteile versprechen, sollte man vorsichtig sein“, erläuterte Brönner. Er empfahl, aktuelle PV-Anlagen so zu konzipieren, dass man jederzeit einen Stromspeicher nachrüsten könne – es sei abzusehen, dass diese preiswerter würden. Selbstverständlich gebe es auch aktuell schon interessante „Paketangebote“.

Faust-Regel beachten

Anschließend erläuterte er die Vor- und Nachteile der verschiedenen Dächer und Ausrichtung und hatte auch gleich eine einfache Faustregel parat: Pro 1000 Kilowattstunden Stromverbrauch im Jahr ein Kilowatt-Peak Photovoltaik-Leistung installieren, der aktuelle Preis sei circa 1100 bis 1300 Euro inklusive Montage. Meist amortisierten sich Anlagen in rund zehn Jahren, somit könne dann noch gut zehn Jahre „verdient“ werden.

Man solle ertragsmindernde Abschattungen durch andere Gebäude, Kamine und auch Bäume berücksichtigen. Auch er empfahl, leistungsfähigen heimischen Unternehmen zu vertrauen. Diesbezüglich verwies er darauf, dass die EAN am Aufbau eines „Qualitätsnetzwerkes Bau“ arbeite. Brönner berichtete den interessierten Zuhörern auch, an was man ein „unseriöses“ Angebot erkenne: Zu große Anlagen, zu große Speicher, falsche Annahme von Stromkostensteigerungen und vor allem auch „Mondwerte“ beim Eigenstromverbrauch.

Nach diesem äußerst interessanten Vortrag bestand die Möglichkeit für Fragen: Wie werden Alt-PV-Module entsorgt? Private PV-Anlagenbetreiber können die Module an kommunalen Sammelstellen kostenlos abgeben (Anmerkung der Redaktion: Im Neckar-Odenwald-Kreis der Wertstoffhof in Buchen). Über 95 Prozent der Materialien würden weiterverwendet.

Wer nicht in eine eigene Anlage investieren wolle, könnte sein Dach auch vermieten, beispielsweise an verschiedene Energiegenossenschaften im Landkreis. Die EAN stehe, so Uwe Ristl abschließend, mit qualifizierter und unabhängiger Beratung parat. mh

aus den Fränkische Nachrichten, Donnerstag, 08.10.2020