Rosenberg Spitzenreiter: Bis 2024 soll der Glasfaserausbau im Neckar-Odenwald-Kreis abgeschlossen sein

Ländlicher Raum kann Spitzentechnologie

Buchen. Die Menschen im Neckar-Odenwald-Kreis haben ihre historische Chance auf einen Glasfaserausbau bis in die Gebäude in überzeugender Manier genutzt. Das vorgegebene Vermarktungsziel für alle 27 Kommunen wurde bis heute mit 21 000 Verträgen um mehr als 50 Prozent überschritten (Ziel waren knapp 14 000 Verträge).
 

Damit hat das bundesweit einmalige gemeinsame Leuchtturmprojekt des Neckar-Odenwald-Kreises und der BBV Deutschland den entscheidenden Meilenstein erreicht, so dass ein völlig neues Kapitel in der Geschichte des Glasfaserausbaus in Deutschland aufgeschlagen werden kann.

Bei einem Pressegespräch zum offiziellen Start des Projekts in Buchen zeigten sich die Verantwortlichen überwältigt von der Resonanz in der Bevölkerung und stellten die weiteren Planungen vor. „Der Neckar-Odenwald-Kreis wird zum ersten Landkreis in Deutschland, der die Glasfaser in allen 27 Kommunen ohne einen Cent Steuer- und Fördergelder erhält. Ich freue mich, dass unsere Bürger die historische Dimension des einmaligen Angebots nicht nur erkannt, sondern auch derart beherzt genutzt haben. Wir lernen seit über einem Jahr, wie wichtig leistungsstarke Breitbandinfrastrukturen für uns alle im beruflichen und privaten Bereich sind. Mein Dank gilt der Infracapital und der BBV für das Vertrauen in den Neckar-Odenwald-Kreis“, betonte Landrat Dr. Achim Brötel. Außerdem lobte er das große Engagement aller Beteiligten.

Im Juni soll es losgehen

Die BBV will spätestens im Juni mit dem Spatenstich in Aglasterhausen mit dem Ausbau der ersten Kommune beginnen. Der schrittweise Ausbau wird voraussichtlich bis Ende 2024 dauern. Dabei wird der Kreis in verschiedene Cluster eingeteilt. Diese werden nochmals in vier bis sechs Lose unterteilt, die dann von insgesamt 15 zur Verfügung stehenden Firmen bearbeitet werden. So sei auch ein Ausbau in verschiedenen Clustern parallel möglich, erklärte Bernd Henkel, Manager Cluster Implementation BBV Deutschland. Dies habe zur Folge, dass der Ausbau insgesamt schneller verlaufen kann. Die Investitionssumme von mehr als 120 Millionen Euro für das Projekt bringt der Infrastrukturinvestor und BBV-Gesellschafter Infracapital auf. Der Landkreis wird somit komplett privatwirtschaftlich ausgebaut.


„Noch niemals zuvor hat jemand versucht, die Glasfaser zeitgleich in allen Kommunen eines Landkreises in so kurzer Zeit zu vermarkten – und natürlich schon gar nicht unter den Bedingungen einer Pandemie. Neben dem Direktvertrieb sind wir dabei im indirekten Vertrieb in völlig neue Dimensionen vorgestoßen“, erläuterte BBV-Geschäftsführer Manfred Maschek.

„Die Wechselstimmung hin zur Glasfaser hält ungebrochen an. Wir wollten heute eine Bilanz der Vermarktung ziehen und sind bei einer weiteren Zwischenbilanz gelandet. Aktuell liegen uns 21 000 Verträge vor. Mit dem heutigen Stichtag werden wir neue Konditionen für einen Glasfaseranschluss mit toni-Internetprodukt einführen. Diesen gibt es bis Ende Mai für 199 Euro“, sagte BBV-Vertriebschef Sascha Bender. Da vier Kommunen (Walldürn, Mosbach Hassmersheim und Neckarzimmern) die gewünschten Prozentsätze noch nicht erreicht haben, wolle man sich nun auf diese Gebiete fokussieren. Ravenstein und Rosenberg waren die beiden Spitzenreitergemeinden, in denen die meisten Verträge geschlossen wurden.

 

„Der Ausbau wird voraussichtlich im Juni in unserem ersten Bauabschnitt in den Kommunen Aglasterhausen, Obrigheim, Schwarzach, Neunkirchen, Neckargerach und Zwingenberg beginnen, da hier die Backbone-Anbindung für den Kreis liegt. Im September/Oktober folgen die Ausbaugebiete Buchen sowie Fahrenbach/Limbach. Danach wollen wir möglichst schnell Osterburken ankoppeln, um von da direkt in den Main-Tauber-Kreis zu kommen. Von diesen vier Baugebieten aus wollen wir alle anderen Kommunen entwickeln“, erklärte Bernd Henkel, Manager Cluster Implementation BBV Deutschland.

 

Main-Tauber-Kreis ist der Nächste

Im Main-Tauber-Kreis soll das Glasfaser durch die BBV nach dem selben Prinzip wie bereits im Neckar-Odenwald-Kreis verlegt werden. Dazu will die BBV das Projekt dem Kreistag und anschließend in den einzelnen Stadt- und Gemeinderäten präsentieren. Wenn das Vorhaben abgesegnet wurde, wolle man Ende Juli/Anfang August auch dort in die Vorverkaufsphase einsteigen, welche dann rund ein Jahr andauern soll. Somit könnte auch der Main-Tauber-Kreis bald flächendeckend mit Glasfaser versorgt sein.

Auch die Bürgermeister Roland Burger (Buchen) und Thomas Ludwig (Seckach) betonten die zentrale Bedeutung des Breitbandausbaus für die Entwicklung der Region: „Auch der ländliche Raum kann Spitzentechnologie“, erklärt Burger stolz. „Wir starten jetzt zu nicht weniger als einem Quantensprung in Sachen Digitalisierung und erbringen ganz nebenbei den Beweis, dass so systemrelevante und de facto öffentliche Infrastruktur durch eine kluge interkommunale Zusammenarbeit mit privaten Investoren schneller geschaffen werden kann als mit öffentlicher Förderung“, betonte Bürgermeister Burger. Ludwig sagte als Vorsitzender des Kreisverbands des Gemeindetags: „Trotz der vielen Einschränkungen wurde die geforderte Mindestzahl an Verträgen nun sogar sehr deutlich übertroffen. Die Menschen haben also verstanden, um was es geht.“