Sonne beflügelt die interkommunale Idee

Die Bauland-Kommunen gründen die "Bürgerenergie-Genossenschaft Bauland" und wollen damit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Gründungsversammlung soll im Mai stattfinden.

Rosenberg/Bauland. (joc) "Alleine ist man stark, gemeinsam unschlagbar" – nach diesem Motto handeln auch die fünf Kommunen im Bauland, die sich nach den guten Erfahrungen im Regionalen Industriepark Osterburken (RIO) nun auch beim Zukunftsthema erneuerbare Energien/Klimaschutz zusammentun, um die Kräfte wirkungsvoll zu bündeln. Konkret steht man vor der Gründung der "Bürgerenergie-Genossenschaft Bauland eG", die Anfang Mai bei der Gründungsversammlung offiziell aus der Taufe gehoben werden soll. Schon jetzt stellten die Bürgermeister Wolfram Bernhardt (Adelsheim), Jürgen Galm (Osterburken), Thomas Ludwig (Seckach), Ralf Kilian (Ravenstein) und Gastgeber Ralph Matousek im Rathaus in Rosenberg die Idee und auch bereits konkrete Planungsvorhaben im Gespräch mit der RNZ gemeinsam vor. Ein ganz wichtiger Faktor ist hierbei, dass die Bürger (ab Mitte Mai) Anteile zeichnen und somit an der Wertschöpfung der neuen Energieanlagen partizipieren können. Bürgermeister Matousek sagte, dass man mit einer Dividende von 2,3 Prozent rechne.

> Die Anfänge: Bei den derzeit in Stuttgart laufenden Koalitionsverhandlungen dreht sich (fast) alles um den Klimaschutz, und auch im Bauland ist man sich der großen Tragweite dieses Themas bewusst, wie die jüngsten Aktivitäten nachhaltig belegen. Das Thema "Bürgerenergie-Genossenschaft" ist hierzulande aber nicht erst in diesen Tagen aufgetaucht, in den Baulandkommunen steht es spätestens seit Mitte letzten Jahres in den Startlöchern. So nahm das Thema unter anderem beim "Adelsheimer Bürgerforum 2020" breiten Raum ein. Etwa zur gleichen Zeit wurde es im Rosenberger Gemeinderat lebhaft diskutiert. Das nahmen die beiden jungen Bürgermeister Wolfram Bernhardt und Ralph Matousek gerne auf, signalisierten großes Interesse an der Fortsetzung der guten interkommunalen Zusammenarbeit und stellten im persönlichen Gespräch Weichen für die Bauländer "Bürgerenergie-Genossenschaft". Bürgermeister Galm: "Man muss nicht fünf mal das Gleiche machen, es ist besser, das Ganze gemeinschaftlich anzugehen. Die schon bestehende gute Zusammenarbeit im RIO ist eine gute Grundlage dafür." Bürgermeister Ludwig: "Man muss es als Chance begreifen, ein Teil der Energiewende sein zu dürfen. Die interkommunale Idee ist toll, und die Wertschöpfung für die Bürger ist auf jeden Fall gewährleistet."

> Der Aufwand: Nach den gegenseitigen Willenserklärungen und dem guten Dialog machte man sich an die sicherlich nicht leichte Umsetzung der Idee. Denn bei der Errichtung einer solchen Genossenschaft werden strenge Maßstäbe zugrunde gelegt. Seckachs Bürgermeister Thomas Ludwig bekräftigt: "Allein das ist schon ein Grund, sich zusammen zu schließen." Federführend bei der umfangreichen Vorbereitung war Ralph Matousek, der hierfür viel Lob seiner Bauländer Amtskollegen erhielt. Thomas Ludwig: "Der Aufwand für die handelnden Personen ist enorm!"

> Die Unternehmensform: Nach dem intensiven Abwägen der Situation nach rechtlichen und steuerlichen Aspekten kristallisierte sich schnell die Genossenschaft als ideales Geschäftsmodell heraus. Hierfür sprechen u. a.: das gemeinsame Ziel, die Begleitung und Beratung durch Experten, der unbürokratische Ein- oder Austritt sowie die Tatsache, dass es sich hierbei um die Rechtsform mit den wenigsten Instanzen handelt.

> Die Gründung: Die Städte und Gemeinden im Bauland werden Ende April in den Gemeinderäten über eine Beteiligung der Kommunen an der Genossenschaft sprechen und diese offiziell beschließen. Die Gründungsversammlung für die Genossenschaft ist dann für Anfang Mai geplant. Hier sollen dann auch die Hauptorgane der Genossenschaft, der Vorstand und der Aufsichtsrat, gewählt werden. Es soll keine hauptamtlichen Kräfte geben. Auch die Vorstände sind ausnahmslos ehrenamtlich tätig.

> Der weitere Zeitplan: Nach der Gründungsversammlung ist der Genossenschaftsverband am Zug, der kraft Amtes eine Prüfung vornehmen wird. Laut Ralph Matousek dürfte die Genehmigung dann Ende des Jahres vorliegen. Zwischenzeitlich wird man innerhalb der Genossenschaft allerdings nicht untätig sein. So sei man bereits jetzt dabei, ein Logo und entsprechende Formulare zu entwerfen. Ferner soll es entsprechende Informationsversammlungen für die Bürger geben.

> Das Hauptziel: Hauptziel der Genossenschaft ist es, gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Kommunen, Unternehmen und Institutionen lokale und regionale Energieprojekte zu realisieren und damit einen wichtigen Beitrag zur Energiezukunft sowie zum Klimaschutz zu leisten. Die Genossenschaft beteiligt sich an Projekten zur Erzeugung erneuerbarer Energien und fördert somit den Klimaschutz vor Ort und in der Region. Die Genossenschaft berät die Mitglieder in Energiefragen und fördert durch einzelne Projekte die Energieeinsparung vor Ort.

> Die Projekte: Man ist seitens der neuen Genossenschaft offen für sämtliche Formen von erneuerbaren Energien, allerdings steht in den nächsten Jahren die Sonnenenergie eindeutig im Mittelpunkt der Bemühungen. So sind alle bis 2025 geplanten Projekte Fotovoltaikanlagen. Die erste Maßnahme ist die bereits installierte Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Grundschule in Rosenberg (Foto). In diesem Jahr soll noch die Anlage auf dem Dach der neuen Eckenberghalle in Adelsheim folgen. Im nächsten Jahr steht dann eine richtig große Maßnahme an, nämlich die 9,9 Hektar große Freiflächenfotovoltaikanlage in Sindolsheim, für die man mit Entstehungskosten in Höhe von sechs Millionen Euro kalkuliert. Danach stehen noch zwei weitere Freiflächenfotovoltaikanlagen in Adelsheim und Osterburken auf der Vorhabenliste.

> Wer kann mitmachen? "Es war uns von vornherein wichtig, dass wir die Bürgerinnen und Bürger hier mitnehmen. Sie sollen an der Wertschöpfung beteiligt werden", betonte Ralph Matousek gegenüber der RNZ.

> Die Anteile: Ein Anteil soll 300 Euro kosten. Maximal 100 Anteile kann man käuflich erwerben. Ab Anfang Mai wird es eine Vormerkliste geben, in die sich interessierte Bürger aus dem Bauland eintragen können. Angesprochen auf die mögliche Vergütung meinte Ralph Matousek, dass man mit einer Dividende in Höhe von 2,3 Prozent rechne.

Die spannende Frage nach der Gründungsversammlung im Mai wird sein, wie viele Bürger sich an dem neuen Gemeinschaftsprojekt beteiligen. Für Wolfram Bernhardt ist das die Gelegenheit, den ehemaligen Bundestrainer Franz Beckenbauer zu zitieren: "Schaun mer mal!"