Waldbegang des Gemeinderats

Rosenberg.In einer „schwierigen Lage“ befindet sich der heimische Wald. Daran wird auch die neue Aufstellung der Forsteinrichtung für die nächsten zehn Jahre nichts ändern. Es ist wie ein „Blick in die Glaskugel“, sagte Revierleiter Christof Hilgers bei der Gemeinderatssitzung unter Vorsitz von Bürgermeister Ralph Matousek am Samstag im Bürgersaal des Rathauses, wo auch die Verabschiedung des Forsteinrichtungsplanes für die Jahre 2020 bis 2029 auf der Tagesordnung stand.

Forsteinrichter Jochen Weber von der Firma ö:konzept aus Freiburg stellte den neuen Forsteinrichtungsplan für die Jahre 2020 bis 2029 vor, zog aber auch Fazit für die letzten zehn Jahre. Wie er in seiner Vorbemerkung sagte, ist nach dem Landeswaldgesetz für den öffentlichen Wald alle zehn Jahre eine mittelfristige Betriebsplanung durchzuführen, welche die Planungs- und Arbeitsgrundlage für den Forstbetrieb darstellt.

25 Distrikte

Die weitere Entwicklung sei jedoch schwer einzuschätzen. Die Planungsbegänge im Wald erfolgten im Sommer 2019. Zielsetzung ist unter anderem auch, dass für die Gemeinde ein jährlicher Haushaltsüberschuss angestrebt wird, der Nadelholzanteil nicht weiter absinkt und auch für eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz gesorgt werden soll. Die Forstbetriebsfläche der Gemeinde von 659 Hektar verteilt sich auf 25 räumlich getrennt liegende Distrikte und ist durch Zukäufe in den letzten Jahren um rund 8 Hektar angewachsen. Das Baumartenverhältnis liegt bei 68 Prozent Laubholz und 32 Prozent Nadelholz und hat sich seit 2010 infolge von zufälligen Nutzungen um acht Prozent zum Laubholz verschoben.

Der Faktor Klimawandel, so Weber, tritt zunehmend in den Vordergrund der Planung für den Forstbetrieb. Durch die Zunahme der Trockenjahre treten auch in Gebieten mit mittlerer Wasserversorgung zunehmende Schädigungen auf. Bezogen auf den Rosenberger Wald gelte prinzipiell eine räumliche Zweiteilung durch die Bahnlinie. Im westlichen Teil auf Gemarkung Rosenberg, Hirschlanden und Bronnacker hielten sich die Trockenschäden an Buche und Fichte noch in Grenzen. Im östlichen Teil, auf Gemarkung Sindolsheim, werden sich die Fichte und auch in Teilen die Buche mehr als schwertun. Zum Vollzug des Holzeinschlages in den letzten zehn Jahren sagte Weber, dass mit rund 50 000 Festmetern rund sieben Prozent mehr Holz genutzt als geplant (46 800 Festmeter) wurden. 18 Prozent des Einschlags stammt aus zufälligen Nutzungen, insbesondere aus Dürre und nachgelagerten Insektenschäden aus den Jahren 2018 und 2019. Das Betriebsergebnis war in jedem Einzeljahr positiv und werde auch für 2019 so erwartet. Zur weiteren Planung führten die Forstleute aus, dass der Gemeindewald nach den Kriterien von PEFC zertifiziert ist und diese Standards sind bindend einzuhalten.

Der neue Hiebsatz liegt bei 42 000 Erntefestmetern beziehungsweise 6,6 Erntefestmeter pro Jahr und Hektar.

Im Vergleich zur vorherigen Periode liege der neue Hiebsatz zehn Prozent niedriger als der alte Hiebsatz und 19 Prozent niedriger als der vollzogene Einschlag. Die geplante Verjüngungsfläche beträgt 38,6 Hektar, davon 66 Prozent aus Naturverjüngung und 13,1 Hektar aus Anbau.

Klimaänderung zu spüren

Da die globale Klimaänderung bereits zu spürbaren Schäden im Betrieb führt, wurde das Baumartenspektrum im Anbau deutlich erweitert. An Jungbestandspflege wurde auf 61,4 Hektar und weitere 2,7 Hektar unter Schirm geplant. 495 Douglasien und Kirschen sind zur Ästung vorgesehen. Im Detail ging Weber dann auf die einzelnen Baumarten, Anbauflächen und deren erfolgten Auswertungen ein. Aktuell sei festzustellen, dass die Fichte im heimischen Wald keine Zukunft mehr haben wird. Alles wird auf neue Baumarten hinauslaufen, wobei der Douglasie hier eine noch bedeutendere Rolle zukommen wird, wenn auch hier bereits erste Dürreschäden auf tonigen Standorten festgestellt wurden, was in dieser Form in der Forstwelt noch nicht bekannt war, ergänzte Oberforstrat Jörg Puchta, der auch betonte, dass die Gemeinde Rosenberg einen schönen Wald mit einer großen Baumvielfalt besitzt. Auf Dauer werde man sich aber von diesem schönen Waldbild verabschieden müssen, denn durch den Klimawandel wird sich die Bauartenzusammensetzung ändern. Eine gewonnene Erkenntnis, die man nicht mehr wegdiskutieren könne.

Zum geplanten Betriebsergebnis im Jahre 2020 sagte Puchta, dass man noch ein kleines Plus ausweisen könne. Von den guten erzielten Erlösen der letzten zehn Jahre aus dem Wald müsse man sich aber grundsätzlich verabschieden. Nach einigen Rückfragen aus dem Gemeinderat, wo auch geäußert wurde, dass der jetzt zum Beschluss vorgelegte Forsteinrichtungsplan bereits wieder Makulatur sein könnte, stimmte dieser der Forsteinrichtungserneuerung für 2020 einstimmig zu.

Anschließend begab sich das Gremium in den Rosenberger Gemeindewald, um sich einige Waldbilder anzusehen. Am ersten Standort im Distrikt 13 (Reisig) zwischen Hirschlanden und Berolzheim informierte Revierleiter Hilgers über den motormanuell vorgenommenen Laubstarkholzhieb, aus einem bis 135-jährigen Buchen-Altholzbestand. Eine weitere Holzernte ist im dortigen Bereich nach neuen Forstbetriebsplanung bis 2029 vorgesehen. Weiter ging die Fahrt zum „Wittstadter Boden“ wo eine Wiederbewaldung nach Käfer- und Dürrschäden begutachtet wurde. Wie Hilgers zur Thematik sagte, soll hier ein 50-jähriger Baumbestand aus Fichten und weiteren Baumarten nach Sturmanriss und Borkenkäfer an Fichten und Dürreschäden an Douglasien wieder aufgeforstet werden. Geplanzt wurde unter anderem, als klimaresistente Nadelbaumart, die Libanonzeder, welche aus dem Libanon- und Taurusgebirge stammt. Am letzten Waldbild am „Büchebusch“ soll eine Auslesedurchforstung in jungen Eichenbeständen erfolgen, dies sieht auch die Planung bis 2029 vor.

Bürgermeister Matousek bedankte sich bei den Forstleuten für die interessanten Informationen. Nach der Waldbegehung besichtigte der Gemeinderat noch den Bauhof, um den neuen Ratsmitgliedern ei-nen Einblick in die dortige Arbeit zu geben.